Milo der Hausdrache - Teil 1

In einem Haus, am Rande einer Stadt, lebt eine ganz normale Familie.

Niemand in der Nachbarschaft ahnte, dass es dort im Haus bald nicht mehr ganz Normal zu und her gehen sollte. In dem schmucken Häuschen leben Vater Hans, Mutter Susi  und der 7 jährige Sohn Max. Susi ist eine liebevolle Hausfrau, oder wie sie immer lächelnd sagt: Familienmanagerin.

Vater Hans arbeitet auf der ganzen Welt und untersucht, in seinem Beruf als Archäologe, Steine und alte Knochen.

Die Fassade ihres Eigenheims war Vanillegelb, jedes der liebevoll eingerichteten Zimmer war in einer anderen Pastellfarbe gestrichen.

Susi liebte Pastellfarben. Kleine schätze aus aller Welt zieren die verschiedensten Ecken.

Das Zimmer von Max findet man im Dachstuhl des Hauses. Ein grosser, ausgebauter Raum mit vielen Holzbalken. Ein Erwachsener hätte sich wahrscheinlich daran gestört, Max hingegen hatte sich seinen eigenen Abenteuerspielplatz geschaffen. Sein Zimmer ist nicht ganz so ordentlich wie der Rest des Hauses, das ist wohl der Tatsache geschuldet dass hier seine Mama nicht aufräumte.

Die einzig gerade und balkenfreie Wand des Zimmers leuchtete in einem hellen Blau. Auf den dort befestigten Regalen hat Max alle Mitbringsel seines Vater, welche er immer nach einer seinen Reisen mitbrachte, liebevoll drapiert.

Komisch geformte farbige Steine, Knochen, Fossilien, Masken welche von Ureinwohnern geschnitzt wurden, ein uralter Kompass und noch viele andere komische Kleinigkeiten haben ihren persönlichen Platz. 

 

An diesem Samstag Morgen erwacht Max schon früh, hellwach starrt auf seinen Wecker: erst 6.34Uhr.

Er seufzt und legt sich wieder hin.

Heute Mittag würde sein Vater endlich wieder nach Hause kommen, er hatte ihn jetzt fast 5 Wochen nicht gesehen. Mama ist zwar eine liebe und sorgte immer sehr gut für ihn, aber ohne Papa war es manchmal schon ein wenig langweilig.

Vater Hans hatte immer irgendwelche spannenden Geschichten auf Lager, was er wohl dieses mal zu erzählen hatte?

Er war auf der Insel Honulalidu, eine mini Insel irgendwo weit weg im Meer, die ist gerade mal so gross wie 2 Fussballfelder. Max wusste nicht genau was sein Vater dort über einen Monat lang ganz alleine, erforscht hatte. Er konnte sich auch nicht vorstellen, dass Hans auf dieser kleinen Insel irgendetwas gefunden hatte. 

Ach es hatte keinen Zweck, er konnte nicht mehr schlafen. Max rollt sich aus seinem Bett und läuft in seinem Astronautenschlafanzug nach unten in die Küche.

Er nimmt sich ein Glas, schenkt sich Milch ein und setzt sich auf seinen Platz am Küchentisch. Während er mit der einen Hand das Glas zum Mund führt zeichnet er mit der Anderen unsichtbare Muster auf den Tisch und überlegt ob er heimlich den Fernseher anstellen soll.

Mama steht sicher erst in einer Stunde auf, dachte er. Auf leisen Sohlen schleicht er in die Stube, nimmt die Fernbedienung und stellt seinen Lieblingssender ein. Er setzt sich ganz nahe an den Fernseher damit er den Ton auch ganz leise lassen konnte.

''Wie oft habe ich dir schon gesagt du sollst nicht so nahe am Fernseher kleben! Davon bekommt man schlechte Augen!'', ertönte auf einmal eine tiefe Stimme hinter Max. Max erschrak fürchterlich, er ist so steif geworden, dass er sich fast nicht umdrehen kann. Als es ihm dennoch gelingt blickte er in das strenge aber liebevolle Gesicht seines Vaters. ''Papa!'' Max springt auf und hopst direkt in die Arme seines lachenden Vaters. ''Ich dachte du kommst erst gegen Mittag?!'' Hans setzt seinen Sohn wieder auf den Boden und antwort: ''Das habe ich extra gesagt weil ich euch überraschen wollte. Schau ich habe Frühstück von unserer Lieblings Bäckerei dabei. Wollen wir den Tisch bereit machen und dann deine Mutter wecken?'' Max nickt begeistert.

Nachdem die beiden Männer des Hauses ein grosszügiges Frühstück vorbereitet hatten wecken sie Mutter Susi, diese ist überrascht, aber erfreut ihren Mann so früh am Morgen zu sehen.

Als das gemeinsame Frühstück beendet ist kuscheln sich alle zusammen auf das Sofa. Sie geniessen es einfach als Familie zusammen zu sein. "Ah bevor ich es noch vergesse." Hans steht auf, geht zu seiner Tasche und zieht ein Ei hervor welches er gut in Badetücher eingewickelt hatte. "Hier mein Grosser, das habe ich am letzten Tag noch ausgegraben. Es sieht aus wie ein altes Dinosaurier Ei, es ist versteinert und sicher schon ein paar Millionen Jahre alt." Max nimmt das Geschenk vorsichtig in die Hand. Er hat schon sehr viele steinige Dinge, aber Nichts das so cool aussah. Es sieht wirklich aus wie ein Ei, es hat eine ganz glatte graue Oberfläche mit blauen und grünen Punkten. Wortlos mit grossen Augen betrachtet Max sein Geschenk ganz genau, von oben bis unten, wieder nach oben und rundherum. ''Das ist aber ein schönes Stück! Hast du gesehen Mama? Danke Papa!'' Während Max seinem Vater einen dicken Kuss gibt begutachtet auch Mutter Susi das Ei. ''Aber nicht das da noch etwas schlüpft.'' sagte Susi mit etwas sorge in der Stimme. Hans lacht: ''Nein, nein das ist doch schon lange versteinert!''

''Wie wäre es wenn wir ein wenig nach draussen gehen und einen kleinen Spaziergang machen?'' fragt Susi ihre Männer. Diese stimmten ihrer Idee zu, ein wenig Bewegung hat noch niemandem geschadet. Max legt das Ei vorsichtig auf den Salontisch und rennt seinen Eltern nach.

Es ist ein wunderschöner Herbstsonntag, die farbigen Blätter tanzen nach und nach von den Bäumen. Susi und Max sammeln ein paar besonders schöne Exemplare um sie zu pressen damit man sie zum basteln gebrauchen kann. Sie plaudern mit den Nachbarn, am nahegelegenen See lassen die Drei Steine übers Wasser hopsen, danach gönnen sie sich Pfannkuchen im kleinen süssen Restaurant am See.

Super gelaunt kommt die kleine Familie am späten Nachmittag nach Hause. Vater Hans steigt die Treppe hoch um duschen zu gehen, Mutter Susi geht in die Küche um frische Limonade zu machen und Max läuft in das Wohnzimmer um sein Geschenk zu holen, damit er ihm in seinem Zimmer ein schönes Plätzchen zuweisen kann.. 

Ein Schrei erschüttert das ganze Haus.

Hans und Susi stürmen ins Wohnzimmer, dort steht Max mit grossen Krokodielstränen im Gesicht. Neben dem Salontisch liegt das Ei, es war kaputt. ''Was ist passiert?'' fragt sein Vater. ''Ich weiss es nicht. Ich habe es, als wir gegangen sind, auf den Salontisch gelegt. Es muss runtergefallen sein. Aber wieso?'' Während die Tränen seine Wangen runter kullern sammelte er die Stücke des Eies zusammen.  So sehr versteinert wie Vater sagte war es wohl doch nicht. Das Ei war anscheinend innen Hohl, die Schale war zwar grau und schien, als es noch ganz war, hart wie Stein zu sein, aber wie konnte es kaputt gehen? Der Salontisch ist nicht sehr hoch und ein Erdbeben hat es an diesem Tag auch nicht gegeben. Mutter Susi will ihren Sohn trösten aber sie merkt dass dies im Moment wohl fast unmöglich ist. Sie kniet zu ihm auf den Boden, nimmt ihn einfach in den Arm und streichelt seinen Kopf. Es piepste leise. ''Was meinst du?'' fragt Susi. ''Ich habe nichts gesagt.'' antwortet Max immer noch mit traurigem Blick. Beide sehen Hans an doch dieser schüttelt den Kopf, auch er hat nicht gepiepst. ''Na super jetzt haben wir auch noch Mäuse im Haus?! Die haben sicher dein Ei vom Tisch gestossen.'' Susi steht auf, ''Haben wir noch irgendwo eine Mausefalle?'' Hans überlegte: ''Hmmm, ich weiss nicht, ich glaube ich habe nur noch eine Rattenfalle im Schopf, aber ich muss nachsehen ob wir diese noch haben.'' sagt er und marschiert gleich nach Draussen um im Schopf nachzusehen. Wieder Pipste es. Max schaut unter das Sofa, da war nichts, unter dem Salontisch auch nicht. ''Mama hast du noch den Superkleber? Ich möchte das Ei wieder zusammenkleben.'' ''Ja, ich hole ihn dir, benutze aber bitte Zeitungen als Unterlage.'' Max nickt und holte einen Stapel Zeitungen, welche er auf dem Salontisch ausbreitet, während seine Mutter den Superkleber holte. Die Stücke des Eies legt er auch auf den Salontisch und versucht die ersten zusammen passenden Stücke zu finden.

Still und hochkonzentriert sucht er Stück für Stück und klebt sie zusammen, er merkt gar nicht wie Mutter Susi ihm die Limonade hinstellt und Vater Hans die Rattenfalle mit Schinken bestückt und sie dann hinter dem Sofa platziert. 

Max ist schon fast fertig mit dem zusammenkleben des Eies da macht es auf einmal laut TACK.

Die Falle ist zugeschnappt. Obwohl die Eltern gerade nicht im Wohnzimmer sind, ruft Max sie nicht. Neugierig streckt er die Hand nach der Falle aus und zieht sie langsam hinter dem Sofa hervor. Es pipst oder ist das eher ein quitschen? Als er die Falle vor sich hat kann Max seinen Augen nicht trauen. In der Falle ist keine Ratte, auch keine Maus oder sonst ein Tier das er schonmal gesehen hat. Das in dieser Falle ist ein wenig grösser als ein Hamster. Es hat aber keine Haare sondern eine in mehreren Blautönen schimmernde, schuppige Haut. Es gleicht einer Miniausgabe eines Sauropoden, nur dass dieser noch so etwas wie Miniflügel auf dem Rücken hat. Völlig fasziniert betrachtet Max das kleine Wesen von allen Seiten. Es quitscht erneut. ''Hallo du.'' Max steckt einen Finger durch das Gitter und versucht vorsichtig das kleine Wesen zu streicheln. Zu seinem erstaunen lässt es das kleine Ding zu und geniesst es sogar. ''Ich würde dich gerne herauslassen,'' flüstert Max worauf das kleine Wesen quickt als verstünde es was Max zu ihm sagt, ''aber du darfst nicht abhauen ok?'' Langsam öffnet er die Türe der Falle. Das kleine Tier watschelt zutraulich heraus. Auf einmal hört man Schritte, welche von Vater Hans rühren als er die Treppe herunter kommt. Max und das kleine Ding sahen sich an, es quitscht als hätte es angst und kriecht in die Tasche von dem Kapuzenpulli den Max trug. Mit einem Schups stösst Max die Rattenfalle wieder hinter das Sofa und setzt sich vor das Ei als wäre nichts gewesen. ''Na alles ok?'' fragt Hans seinen Sohn.  Max nickte stumm. ''Es tut mir sehr leid, dass das Ei kaputt ist. Wir werden das Tier welches es kaputt gemacht hat fangen und dann draussen im Wald aussetzen. Soll ich dir beim reparieren des Eies helfen?''    ''Nicht nötig Papa. Ich habe es gerade fertig gemacht.'' Er zeigte seinem Vater das zusammengeklebte Ei, ''Ich bringe es gleich in mein Zimmer damit es nicht wieder kaputt geht.'' Er erhebt sich und hält die Hände mit dem Ei so dass sie die Beule in seiner Tasche verdecken. Als er in seinem Zimmer angekommen ist legt er das Ei auf eines der Regale mit den Geschenken seines Vaters. Er setzt sich auf sein Bett, steckt die Hand in die Pullovertasche und zieht das kleine Wesen vorsichtig heraus. ''So, und jetzt? Was soll ich denn mit dir machen? Was bist du überhaupt?'' Max setzt das kleine Ding auf sein Kissen und läuft zu seinem Bücherregal. Er hat so viele Bücher über alle Tiere der Erde, irgendwo muss er ein Bild von seinem neuen Mitbewohner finden. Auf einmal fällt ihm ein wo er schon ein ähnliches Bild gesehen hatte. Er zieht ein blaues Buch aus dem Regal. Auf dem Titelbild ist tatsächlich ein Tier abgebildet welches seinem Wesen sehr ähnlich sah. Max setzte sich zu dem Kleinen aufs Bett und murmelte: ''Das ist doch nicht möglich.'' Er sieht abwechselnd das Buch mit dem Titel 'der Drachenreiter' und das kleine Wesen an. Wow, dachte Max, ich habe einen Drachen. ''Du bist ein Drache!'' das kleine Wesen quitscht vergnügt, es scheint genauso begeistert zu sein wie Max. ''Oh Mann wie abgefahren! Wir müssen aufpassen das Mama und Papa dich nicht sehen. Jedenfalls vorübergehend. Mama mag keine Haustiere.'' Der kleine Drache tapst über das Kissen auf den Schoss von Max, setzt sich hin und stösst mit dem Kopf gegen seine Hand. Langsam beginnt er den kleinen Drachen zu streicheln, dieser kuschelt sich in seinen Schoss und schliesst die Augen. ''Du bist Süss, ich mag dich. Einen Namen brauchst du aber noch. hmmm....... Wie wäre es mit Milo?'' der kleine Drache öffnet kurz die Augen und quitscht ganz leise. ''Ich nehme mal an du bist einverstanden.'' Nachdem Milo tief eingeschlafen ist bettet er ihn zurück auf das Kissen, daneben legt er seinen Teddybären, so dass, falls jemand ins Zimmer tritt, nicht gleich der Blick auf Milo fällt und dass dieser etwas zum kuscheln hat. Max steht auf um wieder zu seinen Eltern zu gehen, damit diese nicht merken, das etwas nicht normal ist. Max beschliesst das Milo sein Geheimnis bleibt bis er weiss wie er seinen Eltern sagen sollte, dass er jetzt einen Drachen als Haustier hat.

 

Autorin:

Jessica Gerritsen

 

 

 

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