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Milo der Hausdrache - Teil 2

Es waren jetzt schon einige Wochen vergangen seit Milo aus dem Ei geschlüpft war. Einige sehr anstrengende Wochen. Max wollte seinen Eltern noch nichts von ihm erzählen, aus Angst das Milo dann in einen Zoo oder gar in ein Museum müsste. Anstrengend war es vor allem, weil er dem kleinen Drachen beibringen musste keinen Lärm zu machen wenn er in der Schule war, dass er sich verstecken musste wenn seine Eltern ins Zimmer kamen, und die Beschaffung von Essen war auch nicht gerade einfach. Milo mochte nur Fleisch. Gemüse, Teigwaren oder Obst spuckte er sofort wieder aus. Er hatte schon versucht Milo mit Regenwürmern, Kakerlaken, Spinnen oder anderem Ungeziefer zu füttern. Es war aussichtslos, anscheinend hatte er einen Gourmet Drachen. Damit die Eltern nichts merkten hatte er sich immer heimlich seine Portion Fleisch eingesteckt anstatt sie zu essen. Susi hatte aber das komische Verhalten ihres Sohnes bemerkt. Erst dachte sie, er hätte eine vegetarische Phase, doch immer wenn sie ihn fragte was er zu essen möchte, antwortete er: ''Hauptsache etwas mit Fleisch!''

Sie war schon öfters in seinem Zimmer und hatte versucht, möglichst unauffällig, das Zimmer nach Hundehaaren zu scannen. Aber weder dort noch an seinen Kleidern fand sie Tierhaare. Langsam machte sie sich Sorgen. 

Sie hoffte das der Besuch der Grosseltern zeigen würde was los war. Max liebte seinen Grossvater und erzählte ihm immer alles. Gegen eine Bestechung mit Weihnachtsplätzchen würde dieser ihr sicher verraten, wenn etwas nicht in Ordnung währe.

Max sass auf dem Boden seines Zimmers und streichelte Milo der neben ihm mit einem alten Teddy spielte. Er ahnte, dass er es seinen Eltern nicht mehr lange verschweigen konnte, das es den Drachen gibt. Er überlegte ob es vielleicht möglich wäre Milo in ein Hundekostüm zu stecken. Schliesslich benahm sich Milo meistens wie ein Hund. Ein Hund würden die Eltern sicher auch eher akzeptieren als einen Drachen..... wobei Mutter hasst Tierhaare...... das war ein Argument was für einen Drachen sprach.

Doch wie sollte er es seinen Eltern sagen? Er bereute das er es so lange schon Geheimgehalten hatte, hätte er es gleich gesagt wäre es vielleicht doch besser gewesen. Milo musste man einfach lieb haben! Er war soooooo süss! Zwar war er schon lange nicht mehr so klein wie ein Hamster, mittlerweile hatte er eher die Grösse eines Jack Russel's, aber er konnte ganz lieb schauen und die kleinen Rauchwolken, welche ab und zu aus seiner Nase kamen, waren auch lustig. Er konnte, wenn er wollte, kleine Ringe machen. Ein Hund könnte das nicht! Dafür konnte Milo vieles was Hunde können: Sitz, Platz, Spielzeug holen und verstecktes Fleisch finden. Milo quitschte ein wenig, und sah ihn dabei an. Diesen Blick kannte Max bereits. Er holte seinen Rucksack und Milo setzte sich rein, nachdem der Reisverschluss zu war schulterte Max den Rucksack und ging möglichst unauffällig die Treppe runter. Papa machte gerade ein Mittagsschläfchen auf dem Sofa und so wie es klang war die Mutter in der Küche beschäftigt.

Geschwind lief Max zu dem kleinen Wäldchen welches nahe des Elternhauses begann. Neben einer alten Linde war ein kleiner Trampelpfad welcher ins Unterholz führte. Er folgte dem kleinen Pfad bis zur Lichtung. Auf der Lichtung angekommen setzte er sich auf den Boden, nahm den Rucksack vor sich und öffnete ihn, nachdem er sich versichert hatte das niemand in der Nähe war. Milo sprang heraus und kugelte sich ein wenig im Gras vor Freude draussen zu sein. "Milo komm! Wir haben jetzt nicht so viel Zeit. Wir müssen zurück bevor Opa kommt und Mama merkt das ich nicht da bin!" Enttäuscht sah der kleine Drache Max an. Brav lief er aber zu seinem Busch und machte dort sein Geschäft. Danach trottete er ganz langsam zurück zu Max und hüpfte nach einem erneuten vorwurfsvollen Blick in den Rucksack zurück. Max lies sich sein schlechtes Gewissen nicht anmerken, er wäre auch gerne noch Draussen geblieben und hätte gerne noch ein wenig mit Milo gespielt, aber er wusste das es Heute unvernünftig wäre. 

Zuhause angekommen öffnete er leise die Türe und schlich sich wieder unbemerkt in sein Zimmer. Kaum hatte er den Rucksack geöffnet Klingelte jemand an der Türe. Oma und Opa dachte Max. Er sprang auf und rannte die Treppe so schnell hinunter dass er schneller an der Türe war als seine Mutter. Er riss die Türe auf und rief begeistert: "Opa,Oma!"

Oma Lili und Opa Hans standen strahlend vor der Türe. Sie waren nicht mehr die Jüngsten, aber sie wirkten dank der zeitgemässen Kleidung und dem gepflegten Äusseren einiges jünger als sie tatsächlich waren. Er nahm einen Satz und sprang seinem Grossvater in die offenen Arme. "Oh, hallo grosser Mann! Du bist schon wieder gewachsen." Max verstand den Wink und liess sich auf den Boden zurück. Opa war ja auch nicht mehr der Jüngste, und auch wenn er in letzter Zeit weniger gegessen hatte dank Milo, war er sicher langsam zu schwer um von Opa getragen zu werden. "Kommt doch herein," sagte Susi und umarmte die Beiden. "Hans bringt euer Gepäck gleich in das Gästezimmer." Auch Hans umarmte und Küsste seine Eltern. Danach brachte er, wie von der Hausdame angeordnet, das Gepäck in das Gästezimmer. Max lief mit seinen Grosseltern in die Stube und setzte sich auf den Boden während sein Opa sich auf den grossen alten Sessel setzte und Oma auf dem Sofa platz nahm. Mutter Susi kam mit einem Tablet auf dem Sie Kuchen, Kaffee und Milch trug in den Raum. Zur gleichen Zeit setzte sich auch Hans neben seine Mutter. "Wie lange wollt ihr den bleiben Mutter? Deine Koffer sind so schwer als würdet ihr das ganze nächste Jahr hier wohnen." "Du weisst doch wie Frauen sind mein Sohn," sagte Opa lachend. "Das ändert sich auch nicht wenn sie älter werden. Das wird eher schlimmer." Hans Senior ignorierte den gespielten bösen Blick seiner Angetrauten. "Ich weiss sehr genau, wer von uns 3 verschiedene Jacken und Schuhe mitnehmen wollte, weil er nicht sicher war wie das Wetter wird." entgegnete Oma Lili während sie anfing zu Grinsen, " Von wegen wir Frauen werden komplizierter. Ihr merkt einfach nicht, das ihr selber auch so seit, weil wir Frauen euch immer lieben und still leiden." Die Männer fingen an zu lachen. Auch wenn Max gerade nicht wirklich verstand um was es ging lachte er mit. " Kann ich dir noch etwas in der Küche helfen für das Abendessen meine Liebe?" fragte Oma und sah Susi lieb an. "Nein, Nein ihr sollt euch hier erholen. Ausserdem habe ich den Braten schon bereit gemacht, der muss nur noch in den Ofen. Die Beilagen sind auch schon vorbereitet."

In diesem Moment knallte etwas in der Küche. Die ganze Familie erschrak fürchterlich. Da schoss es Max durch den Kopf. MILO! Er hatte die Türe nicht hinter sich zugemacht bevor er die Treppe runter rannte. Er sprang auf und rannte in die Küche. Da stand tatsächlich der kleine Drache, vor ihm lag der Braten auf dem Boden. Vergnügt schmatzte und quitschte Milo als er Max erblickte. Um sein Maul herum waren noch Fleischreste. Max packte Milo und stopfte ihn in den nächsten Schrank der neben ihm stand. Er war so verzweifelt, dass er gar nicht merkte, das er Milo gerade in den Kühlschrank gestopft hatte. Da war auch schon der Rest der Familie in der Küche. "Was zum Teufel ist hier los?" rief Mutter Susi entsetzt als sie ihren mit liebe zubereiteten Braten am Boden liegen sah. "Keine Ahnung," antwortete Max "vielleicht hat ein Windstoss den Braten runtergeschmissen...?" "Ein Windstoss? Hat dieser Windstoss ein Maul oder wieso ist fast die Hälfte weg? Ich will jetzt wissen was hier los ist, es ist doch irgendwas im Busch!" Max sah sich hilflos um und bemerkte wie Rauch aus dem Kühlschrank kam. Susi hob den Braten auf während Vater Hans dem Blick seines Sohnes folgte und ebenfalls den Rauch bemerkte. Er schritt zum Kühlschrank und öffnete die Türe. Da sass der kleine blaue Drachen und guckte leicht zitternd die ebenso erstaunten Gesichter an. Er stand zwischen dem Schinken und der Salami. Von beidem war nicht mehr viel übrig. Nochmals stiess er ein wenig rauch aus seiner Nase. In dieser Sekunde erblickte auch Susi den Drachen im Kühlschrank und schrie vor schreck, dann viel sie in Ohnmacht. Oma Lili konnte sie gerade noch mit Opa Hans auffangen. Der Braten fiel erneut auf den Boden. Milo erschrak sich wiederum so sehr von Susi's schrei dass er aus dem Kühlschrank purzelte. Max rannte zu ihm und nahm in fest in den Arm das niemand ihn ihm wegnehmen konnte. Er hatte Tränen in den Augen, denn er wusste nicht was jetzt geschehen würde.  

Vater Hans blieb ganz ruhig. Er nahm seine Frau auf den Arm, trug sie wortlos ins Wohnzimmer und legte sie auf das Sofa, während Lili mit einem kalten Tuch für ihre Stirn holte. "Kommt ihr beiden," sagte Opa Hans während er Milo neugierig musterte, "wir gehen auch ins Wohnzimmer." Dort angekommen setzte sich Max wieder auf den Boden, dieses mal mit Milo. Der kleine Drache blieb ruhig in seinen Armen. Gross bewegen konnte er sich so wieso nicht, weil Max sich richtig an ihn klammerte. Er quitschte leicht. Hans sah seinen Sohn fragend an: "Ist das aus dem Ei geschlüpft, welches ich dir von meiner letzten Reise mitgebracht habe?" Max nickte und sah dabei auf den Boden. "Also haben wir keine Ratten im Haus. Das wird deine Mutter freuen." Hans erzählte seinen Eltern von seiner letzten Expedition und was er als Geschenk für Max nach Hause mitbrachte. Susi kam langsam wieder zu sich. Sie hielt sich den Kopf. "Was ist passiert. Habe ich geträumt?" Sie blickte zu Max und Milo und viel sogleich fast wieder in Ohnmacht. "Beruhige dich Schatz. Es ist alles Ok. Ich habe eine gute Nachricht für dich: Wir haben keine Ratten im Haus." "Keine Ratten?" Susi sah ihn entsetzt an. "Sind Monster neuerdings eine gute Alternative zu Ratten?!?"

Max sah seine Mutter böse an: "Milo ist kein Monster! Er ist ein Drache!" Mutter Susi war immer noch entsetzt. "Oh Entschuldigung ein Drache.... Du sagst das als wäre es ganz normal! Woher und wie lange hast du dieses Ding schon?" 

 Max erzählte seinen Eltern und Grosseltern alles. Wie er Milo aus der Rattenfalle befreite, wie er ihn versteckte und auch was er ihm zu fressen gab. Hans hatte sich neben seinen Sohn gesetzt und betrachtete fasziniert die Färbung, den Kopf und alles Andere an Milo. "Unglaublich. Das ist schon sehr cool." sagte Hans nachdem Max fertig war mit erzählen. "Cool???" Susi dachte sie höre nicht richtig: "Unser Sohn hat ein M........ einen Drachen, nicht einen Hund! Er hat uns nichts davon gesagt und ihn vor uns verheimlicht! Was bitte ist daran cool? Wer weiss wie gross der wird? Und am Ende fackelt er noch unser Haus ab!" Oma und Opa hatten bis jetzt noch nichts gesagt. Mit ruhiger stimme ergriff Lili Partei für Max: "Ach Susi, er  hat euch ja nicht angelogen, er hat euch nur nicht alles gesagt." Max lächelte. "Ja Mamma. Bitte versteh doch! Ich hatte Angst das ihr ihn mir wegnehmt. Ich durfte nie ein Tier haben. Den kleinen Igel, den ich mal gefunden habe, musste ich auch an die Auffangstation abgeben anstatt ihn hier aufzupäppeln. 

Einen Hund durfte ich nie wegen der Haare. Milo hat keine Haare aber er kann Kunststücke wie ein Hund. Ich will nicht dass ihr ihn mir wegnehmt und dann andere Leute mit ihm Experimente machen. Papa hat ihn mir geschenkt also darf ich ihn behalten, oder?" Milo hatte genug davon wie Hans ihn anglotzte und kroch unter den Kapuzenpulli von Max. Bevor Mutter Susi etwas erwidern konnte ergriff Hans Senior das Wort: "Ich würde sagen wir schlafen eine Nacht darüber. Deine Mutter muss das erst mal verdauen. Apropo verdauen, wie wäre es wenn wir in ein Restaurant essen gehen würden? Dort können wir in Ruhe darüber reden und Susi muss nicht noch kochen nach diesem Schock." Hans stand auf und reichte seinem Sohn die Hand damit auch er sich erheben konnte. " Opa hat Recht. Geh, bring deinen Milo ins Zimmer und mach dich fertig damit wir ins Restaurant gehen können." Fassungslos starrte Susi ihren Mann an der ihr gerade einen Kuss auf die Stirne gab. Das war Typisch für ihn. Wieso hatte sie nur einen Forscher geheiratet der ein Sohn eines Forschers und einer Naturwissenschaftlerin war? Das war ja klar das Die alle von so etwas begeistert waren. Max lief in sein Zimmer und holte Milo unter seinem Pullover hervor. Nachdem er ihn auf sein Bett setzte drückte er ihn nochmals ganz fest. "Ich werde nicht zulassen dass du weg musst. Sonst laufen wir gemeinsam davon!" Er ging ins Bad um dem kleinen Drachen neues Wasser zu holen, gab ihm nachdem er sich fertig fürs Restaurant gemacht hatte noch einen Kuss, und schloss dieses mal die Tür hinter sich bevor er die Treppe runter ging.

Max war fest entschlossen, seine Mutter davon zu überzeugen, dass sein kleiner Drache das ideale Haustier ist. 

 

 

Autorin:

Jessica Gerritsen

 

 

 

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