Das kleine schwarze Einhorn Teil 3 - Das Haus in der Wurzel

Als das Fohlen die Augen wieder öffnete war es schon Mittag geworden. Wo war Mama? Sie schaute umher doch es schien niemand da zu sein. Erschrocken wieherte Bianca und stand so schnell sie konnte auf. Sie wackelte immer noch ein wenig hin und her. ''Hallo mein Liebes.'' Da war Mama! Sie streckte ihren Kopf durch das Fenster über der Küchenzeile hinein. ''Ich bin hier Draussen. Komm auch, es ist wunderschön und warm.'' Ohne einmal zu stolpern lief Bianca nach Draussen. Sie kniff die Augen zusammen, so viel Sonnenlicht war sie sich nicht gewohnt. ''Mama, Mama wo bist du? Ich kann nichts sehen.'' ''Senke deinen Kopf, öffne deine Augen und schau auf den Boden. So. jetzt hebe den Kopf ein wenig. So ist gut. Du darfst doch nicht direkt in die Sonne schauen, dann würde ich auch nichts mehr sehen können mein Schatz.'' Bianca sah sich neugierig um. Das Haus in dem sie zur Welt gekommen war stand auf einer schönen Lichtung. Alles war bedeckt mit Gras, Farn und kleinen Büschen. Grosse, alte Bäume mit riesigen Wurzeln und ein paar kleine Tannen bildeten einen Kreis um die Lichtung. Die Sonne strahlte durch das kreisrunde Loch im Blätterdach und liess alle Pflanzen leuchten. 

Twinky graste ein wenig, sie sah so wunderschön aus. Ihr weisses Fell strahlte, die Farben der Mähne leuchtete und ihr Horn glitzerte. Das Gras sah so saftig aus, dass Bianca am liebsten auch probiert hätte. Aber Gras ist noch nichts für ihren kleinen Magen. Sie wackelte zu ihrer Mutter und begann zu trinken.

Nachdem das kleine Einhorn genug hatte legte es sich in das saftige Gras. Ein tiefer, lauter Rülpser kam aus Bianca's kleinem Maul. ''Oioioi, du rülpst ja wie ein alter Bergbauer!'' Winzi flog über ihr durch. An ihrem Besen hatte sie einen Jutesack gehängt der voll mit vielen verschiedenen Kräutern war. Sie flog auf den grössten alten Baum zu und landete neben seiner grössten Wurzel. Twinky lief auf den grossen Baum zu während Bianca ihren Kopf in das Gras legte. Ihr Bauch war viel zu voll um wieder aufzustehen.

''Hier wohnst du?'' Twinky begutachtete die grosse, stark gewundene Wurzel. Sie war innen Hohl. Eine kleine schiefe Flügeltüre war mit wunderschönen Schnitzereien verziert. Ein Briefkasten, auf dem eine winzige und in allen Farben schimmernde Blume zur Dekoration stand, war neben der Türe befestigt. Winzi stieg die krumme Treppe zur Tür hinauf und öffnete diese mit ihrem Zauberstab. Auch war der Jutesack sehr sehr klein, für Winzi's Verhältnisse war er ganz schön gross und schwer. Sie ging in ihr Heim hinein und lief in die Küche wo sie den Sack auf die Arbeitsplatte hievte. Twinky folgte ihr indem sie neugierig durch die geschnitzten Fenster hineinguckte. Das Innere des Baumstammhauses war atemberaubend. Winzi hatte sich augenscheinlich viel Mühe bei der Einrichtung gegeben, natürlich mit ein wenig Hilfe ihrer Zauberkünste, jedes Detail passte genau da hin wo es war. Ein Maiglöckchen war zur Duschbrause geworden, eine alte farbige Glasscherbe mit abgeschliffenen Kanten hatte sie als Duschtrennwand aufgestellt. Das Bettchen war direkt aus dem Stamm geschnitzt und liebevoll mit einer bunten Decke gebettet. Vor jedem der runden Fenster hingen Vorhänge welche aus verschiedenen Flicken zusammengenäht wurden. Auf den ersten Blick wirkte es ein wenig wild, jedoch verlieh es dem Ganzen einen eigenen Charme. Die Küche war auch komplett aus Holz, die einen Schränkchen und ihre Türchen neigten sich nach links, die Anderen nach rechts. Obwohl alles so schief wirkte gingen alle Türchen zu und die Arbeitsplatte mit dem Waschbecken war schön gerade unter dem Fenster durch das Twinky hinein blickte. Winzi lief in die Richtung ihrer Wohnstube, Twinky folgte ihr, indem sie ein Fenster weiter hineinspähte. An der Wand zwischen Küche und Wohnzimmer war ein verhältnismässig grosser Kamin in dem ein runder Topf hing der halb so gross war wie Winzi selber. Während die kleine Waldhexe Zaubersprüche vor sich hin brabbelte und so den Topf mit Wasser füllte, Holzstücke für ein Feuer hinein schweben lies und diese unter dem Topf entfachte nahm Twinky das Wohnzimmer unter die Lupe. Auch hier waren wieder alle Möbel aus dem Holz des Baumstammes geschnitzt, sogar der Fernseher. Jedes Stück war wieder mit passenden Schnitzereien verziert. Eine schön zusammen gelegte Flickendecke und passende farbige Kissen auf dem kleinen Sofa und dem prunkvollen Ohrensessel rundeten das Bild ab. Neben dem Ohrensessel lag ein kleines Kissen, es sah aus wie eine Hundematte in mini Ausführung. Darin schnarchte das Glühwürmchen halb mit einer Felldecke zugedeckt. Winzi stellte eine kleine Schale, in der gerade knapp ein Regentropfen platz hatte, neben das Glühwürmchen. ''Wenn er aufwacht hat er immer so Durst.'' erklärte sie. Twinky bemerkte wie rauch aus einem Schornstein oberhalb des Kamins aus der Wurzel aufstieg. ''Dein Haus ist wirklich sehr schön!'' Die kleine Waldhexe wurde ein wenig rot. Sie bekam selten Komplimente und wusste nicht was sie Antworten sollte. Verlegen sagte sie: ''Vielen Dank, habe ich alles selber gemacht. Ich muss jetzt aber meinen Zaubertrank für den kranken Babyhasen von Familie Wuschel machen. Du entschuldigst mich?'' ''Ja sicher, ich wollte dich nicht stören. Falls du mal Hilfe beim Kräutersammeln brauchst sage mir bescheid. Auf meinem Rücken habe ich viel Platz.'' ''Ok, danke.'' Das Einhorn sah wie Winzi mit ihrem Kopf schon ganz beim Kräuter mischen war und ihr gar nicht mehr richtig zuhörte, so lief sie zurück zu ihrem friedlich schlafenden Fohlen.

Den Rest des schönen Tages genossen Mutter und Tochter für sich alleine. Winzi sahen sie nur noch kurz als sie hin und her flog. Bianca machte den ganzen Tag nichts anderes als trinken und sich, in der Sonne, von der einen zur anderen Seite zu drehen. Als die Sonne hinter den Bäumen untergegangen war und die Luft sich langsam abkühlte weckte Twinky die kleine Bianca. Das kleine Einhorn wackelte schlaftrunken in die Holzhütte und lies sich auf den Strohhaufen fallen. Ihre Mutter schloss die Türe hinter sich, lief auch zum Strohhaufen und kuschelte sich zu ihrem Kind. Glücklich lächelnd schlief sie kurze Zeit später ein.

 

Autorin:

Jessica Gerritsen

 

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