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Milo der Hausdrache - Teil 4

 

„Ach wie schön die Weihnachtszeit doch ist.’’, seufzte Opa Hans während er mit einer warmen Tasse Schokolade in der einen, und mit einem Teller frisch gebackener Kekse in der anderen Hand in die Wohnstube trat. Oma Lilli backte in der Küche die besten Kekse der Welt mit ihrem Sohn. Vater Hans fühlte sich in seine Kindheit zurück teleportiert und verursachte mehr Chaos in der Küche als es ein 5 jähriger tun würde. Voller Übermut jonglierte er mit den Eiern während Oma Lili nur den Kopf schüttelte. „Hans!“, rief Susi entsetzt als sie die Küche betrat um etwas zu trinken zu holen. Hans zuckte zusammen und ein Ei nach dem Anderen klatschte auf den Boden. „Sieh nur was du angerichtet hast!“, sagte Susi vorwurfsvoll. Grummelnd erwiderte Hans: „Das währe nicht passiert wenn du ruhig wie eine Lady den Raum betreten hättest.“ Max streckte neugierig den Kopf in die Küche. Milo rannte aufgedreht hinein, übersah eines der aufgeplatzten Eier und rutschte auf dem flüssigen Eiweiss aus. Als wollte er eine Eiskunstlauf Kür vorführen schlitterte er durch die Küche, quer durch das von Hans verstreute Mehl und Puderzucker bis eine Spur Zimt ihn stoppte.

Verdutzt schaute der kleine Drache sich um. „Mein lieber Mann du kommst erst wieder aus der Küche wenn sie glänzt als hätten wir sie neu gekauft!“ Bevor Milo mit seinen dreckigen Tatzen spuren in der Küche hinterlassen konnte lief Susi auf ihn zu. Sie hob ihn hoch und lief mit ihm hinaus in Richtung Badezimmer. Max rannte ihr nach. Sie setzte ihn ins Waschbecken und spülte ihn mit lauwarmen Wasser ab. 

Max sah ihr einfach zu und sagte nichts. Er freute sich darüber, dass seine Mutter so fürsorglich zu seinem kleinen Drachen war. Es war jetzt eine Woche her, seit Milo Mamas Braten essen wollte, und ausser an diesem Abend hatte Susi Milo nicht mehr angefasst. „Na du kleines Monster,“ sagte Susi zu dem Haustier auf Probe, während sie ihn mit einem warmen Frotteetuch trocken rubbelte, „das gefällt dir.“ Max verzichtete darauf seine Mutter darauf hinzuweisen dass Milo kein Monster war. Schliesslich schien es so als würde Susi anfangen Milo zu mögen, auch wenn sie ihm Monster sagte.

Susi drehte sich mit Milo im Arm zu Max um und sagte: „Hier nimm ihn und schau dass er nicht mehr in die Küche geht.’’

Als sie den Gang zur Wohnstube an der Küche vorbei liefen sahen sie wie Hans, mit 2 schwämmen an den Füssen, durch die Küche tanzte während er Jingle Bell sang. Oma Lilli klatschte den Takt. Kopfschüttelnd lief Susi weiter während Max wie angewurzelt stehen blieb und sich das ganze Spektakel ansah. So hatte er seinen Vater noch nie gesehen. Milo quietschte vergnügt und wollte augenscheinlich auch mittanzen. „Nein,nein. Du bleibst hier. Mama hat gesagt du darfst nicht in die Küche.“ Milo brummte ein erst wenig beleidigt. Schwenkte aber dann den Kopf hin und her und quietsche zum Gesang von Hans. „Max. Kommst du mir Helfen?“ hörte er seine Mutter rufen. „Ich komme.“ Er lief ins Wohnzimmer. Vorbei an seinem Opa der mittlerweile mit einem Keks in der Hand im Ohrensessel eingeschlafen war. Zwischen dem Essbereich und dem Sofa stand ein prächtiger Weihnachtsbaum. Direkt vor dem Fernseher. Susi wollte es so, da sie der Meinung war, es brauche keine abendliche Fernsehstunden während der Weihnachtszeit. Diese Zeit soll man intensiv mit der Familie verbringen und zur Unterhaltung spiele machen oder sich Geschichten erzählen. Wenn es nach Max ginge, wäre dies auch den Rest des Jahres so. Doch dann könnte Papa nicht mehr beim Fernsehen einschlafen, das könnte man ihm nicht antun. 

Susi stellte eine grosse Kiste mit Tannenbaumschmuck auf den Boden. Milo holte Anlauf und hopste in die Schachtel. Es machte Plumps und ganz viel Engelshaar wurden in die Luft geschleudert. „Milo!“ Susi schaute den Kleinen ungläubig an. „Was ist denn Heute nur los mit euch? Seit ihr alle von den guten Geistern verlassen?“ „Zum Glück war das die Kiste mit der Lametta und den Engelshaaren und nicht die mit den Kugeln.“, sagte Max um Susi den positiven Aspekt der Situation schmackhaft zu machen. „Wären das die Kugeln gewesen, hätte ich Milo als Dekoration für die Tannenbaum Spitze verwendet.“ antwortete Susi. Milo hatte sich in der Box vergraben. Als Susi ihm befahl heraus zu kommen hob er seinen Kopf der mit Engelshaaren bedeckt war. Um seinen Hals hatte er eine rote Lametta wie einen Schal geschlungen. Bei diesem Anblick konnte selbst Susi nicht mehr ernst bleiben. Sie lachte laut los. Max hob Milo aus der Kiste und dieser stolzierte herum wie eine alte Hollywood Diva. Max holte schnell seine Polaroidkamera und machte ein paar Bilder von dem kleinen Drachen der wie ein Model auf dem Laufsteg hin und her stolzierte. Als er sich wieder in die andere Richtung drehte stand er auf das Ende seines roten Lamettaschals, dadurch kam er ins stolpern und fiel mit der Nase voran auf den Boden. Max und Susi sahen Milo nur an und warteten ab was Milo nun tun würde. Sein Sturz sah lustig aus aber man weiss ja nie wie weh das so einem Drachen tut. Milo setzte sich auf seinen Popo wie ein kleiner Hundewelpe, Streckte den Kopf nach oben und fing an richtig zu heulen. Die Tränen spritzen auf beiden Seiten nur so raus. Opa Hans schreckte auf: „Was ist den los?“ Max nahm den kleinen Drachen auf den Arm um ihn zu trösten und auch Susi konnte nicht anders. Sie streichelte ihm liebevoll den Kopf und gab ihm sogar ein Küsschen auf die Nase. Verzückt von so viel Liebe schaute Milo wieder ganz zufrieden in die Runde. „Milo ist auf die Nase gefallen und hat sich wohl ein wenig weh gemacht.“ erklärte Max seinem Grossvater. „Na das kann ja mal passieren, setz ihn wieder auf den Boden. Er muss lernen wieder aufzustehen wenn er gefallen ist. Das ist eine wichtige Lektion im Leben. Die haben wir dir auch ganz früh beigebracht.“ Max setzte den kleinen Drachen auf den Boden. Nach ein paar Schritten lies sich Milo einfach auf den Boden fallen und stellte sich Tod. Er wartete darauf, dass Susi erneut zu ihm kam um ihm ein Küsschen zu geben. Doch es geschah nichts. Susi, Max und Opa sahen den Kleinen einfach nur an. Milo hob den Kopf, warf den Dreien einen vorwurfsvollen Blick zu, erhob sich und stolzierte immer noch mit dem Engelshaar auf dem Kopf und der Lametta um den Hals unter den Tannenbaum. Dort rollte er sich auf der schneeweissen Filzunterlage, mit dem Rücken zur Wohnstube, zusammen und schlief ein.

Susi und Max machten sich erneut daran den Tannenbaum auf zu hübschen. 

Eine halbe Stunde später betrat Vater Hans strahlend das Wohnzimmer gefolgt von Oma Lili die ein ganzes Tablet mit frisch gebackenen Keksen, 5 Gläsern und einer Kanne Milch ins Wohnzimmer trug.

Alle setzten sich um den Salontisch. Jeder erzählte im Laufe dieses Abends eine Geschichte aus seinem Leben. Max liebte es, denn sein Grossvater hatte immer so schöne Geschichten von seinen Weltreisen zu erzählen. Sie schienen ihm nicht auszugehen. Max erzählte an diesem Abend von den Erlebnissen mit Milo im Nahe gelegenen Wald, den sie immer aufsuchten wenn Milo sein Geschäft machen musste. Der kleine Drache war in der Zwischenzeit unter dem Tannenbaum hervorgekommen und lag jetzt auf dem Schoss von Max, der ihn liebevoll streichelte.

„So mein Sohn, es ist Zeit für euch ins Bett zu gehen.“ sagte Hans als Max seine Geschichte zu Ende gebracht hatte. Brav erhob sich Max. Er war sowieso schon ziemlich müde und morgen musste er noch den letzten Schultag vor den Weihnachtsferien absolvieren. Auch wenn er nicht immer gerne zur Schule ging wollte er jeden Tag sein Bestes geben, um seiner Mutter zu beweisen, dass Milo einen guten Einfluss auf ihn hatte. Flink flitzte der kleine Drache auf der Treppe an Max vorbei. Max betrat das Badezimmer um seine Zähne zu putzen, da sass Milo schon auf dem Waschbecken und wartete auf ihn. „Wie bist du hier hoch gekommen?“, fragte Max verdutzt. Milo quietschte und hopste mit einem Satz vom Waschbecken. Auf dem Boden wedelte er mit seinen mini Flügeln um Max zu zeigen was er kann. Doch Max sah es nicht da er sich gerade die Zähne putzte. Milo verlies das Badezimmer als er Merkte das Max ihm keine Aufmerksamkeit schenkte und lief hoch ins Kinderzimmer. Dort legte er sich im Bett auf das Kissen und schlief bereits als Max sich zu ihm legte. 

Es hatte auch sein Gutes, das Max nicht gesehen hatte dass sein kleiner Drache fliegen kann. Hätte er es gesehen hätte er vor Aufregung sicherlich nicht schlafen können. 

Nichts ahnend von den neuen Fähigkeiten seines kleinen Freundes schlief der Junge friedlich ein, noch bevor seine Mutter nach oben kam um zu sehen ob die Beiden ins Bett gegangen sind.

 

Autorin: Jessica Gerritsen

 

 

 

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