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Nur Arschlöcher nennen mich Gutmensch.

Mein 1. Geburtstag
Mein 1. Geburtstag

Ok, das ist vielleicht ein bisschen böse Ausgedrückt.

Arschlöcher sind sie vielleicht nicht.....Nein ich muss mich wirklich korrigieren:

Nur verbal unbewaffnete Menschen nennen mich Gutmensch.

 

Denn das Wort Gutmensch ist eine Waffe,- eine ziemlich blöde.

Als würde man mit Platzpatronen schiessen. 

Es bringt überhaupt nichts, im Gegenteil, es lässt einen eher lächerlich erschienen.

 

Dieser Begriff ist ein Ablenkungsmanöver aus der Trickkiste der Ad-hominem-Rhetorik: Statt darüber zu diskutieren, ob und wie man sich engagieren soll, prügelt man auf diejenigen ein, die sich engagieren.

 

Das Wort «verhindert einen demokratischen Austausch von Sachargumenten», so das wichtigste Argument in der Begründung der Darmstädter Jury, die das «Unwort des Jahres» jeweils aus den eingesandten Vorschlägen der Bürger auswählt.

 

Wie oft ich diese Bezeichnung schon verpasst bekommen habe habe ich nie gezählt, denn es machte für mich noch nie Sinn mit solchen Leuten zu diskutieren. Ausser ich bin gerade in der Stimmung dazu. Dann macht es mir Spass darauf zu warten bis dem Anderen die Argumente ausgehen.

 

Lächelnd denke ich daran während ich den Kofferraum mit Spenden fülle.

Diese sind für Menschen auf der Flucht gedacht. Kleider für Gross und ganz Klein, Decken und Spielzeug. Vor allem letzteres liegt mir am Herzen. Ich war heute morgen extra noch Spielzeug einkaufen, weil ich das Gefühl hatte es sei sonst zu wenig dabei.

 

Das ich bereit bin Flüchtigen zu Helfen stört den Einen oder Anderen. Ich verstehe zwar die Ängste jener, die denken man helfe so Menschen, welche nur nach Europa kommen möchten um diesen Staaten auf der Tasche zu liegen oder ihre kriminellen Handlungen hier auszuüben. Jedoch finde ich persönlich, das so nur Menschen denken, die nicht über ihren eigenen Tellerrand schauen können. Es sind Leute, welche nie Kontakt mit Menschen in Not hatten.

 

Ich selber mache mir viele Meinungen über dies und das. Keine dieser Meinungen kommen aus dem Nichts. Es ist mir wichtig dahinter zu kommen wieso, warum und wie genau etwas ist. Wenn es dazu kommt dass Jemand gute Argumente hat, bin ich auch mal bereit meine Meinung zu ändern.

 

Meine Einstellung Flüchtlingen gegenüber wurde schon oft massiv auf die Probe gestellt. Doch ich bleibe dabei:

Diese Menschen verdienen Hilfe.

 

Menschen wie ich, die diesen Menschen nach ihren Möglichkeiten helfen möchten werden leider immer öfters als Gutmenschen abgestempelt, weil wir die negativen Auswirkungen dieser Zuwanderer einfach nicht sehen möchten (So die Behauptung). Die häufigsten Argumente die ich höre sind:

-> Die nehmen unsere Jobs weg.

-> Die sind eh alle kriminell.

-> Die wollen sich nicht integrieren.

 

Also mal zum ersten Argument.

In der Schweiz haben wir einen Fachkräfte Mangel - so sagt man.

Ja es gibt auch unter den Flüchtigen Menschen die in ihrer Heimat studiert haben und jene von ihnen, die gut ausgebildet sind, könnten dem einten oder anderen von uns einen Job wegschnappen.... Naja dann waren wir wohl nicht gut genug für den Job.

Nein der ist einfach billiger?

Überlegt mal. 

Welches seriöse Unternehmen hat ernsthaft Interesse daran einen billigeren und schlechteren zu nehmen als einen der effizient FÜR ein Unternehmen arbeitet, dafür aber teurer ist? Unter dem Strich ist derjenige der mehr kostet trotzdem der Günstigere, da das Unternehmen nicht in seine Ausbildung investieren muss oder die Fehler die er macht bezahlen muss. Trotz Versicherungen entstehen bei Fehlern Kosten für ein Unternehmen.

Meine Eltern hatten öfters Flüchtlinge angestellt nachdem ihr Asylantrag angenommen wurde und sie arbeiten durften. Nicht weil es billigere Arbeitskräfte gewesen wären (das Einarbeiten trotz Sprachbarrieren, und das ganze drum herum, verursacht genau so viele Kosten wie ein Schweizer Arbeitnehmer). Sondern weil sich schon damals viele Schweizer einfach zu schade waren für Hilfsarbeiten die nicht viel Geld einbringen.

Ein grosser Teil von den Kindern und Teenies, welche jetzt auf der Flucht sind, werden es in Zukunft schwer haben einen Top Job zu bekommen. Aber auch deren Eltern welche nur eine mangelnde Schulbildung hatten gehören nicht zu den nächsten Topmanagern. Sie werden jedoch trotzdem froh und dankbar sein, wenn sie bei uns einen Job bekommen für den sich Einige unter uns zu schade sind.

 

So und zum Zweiten.

Durchaus ist es so dass es, unter den Migranten, schlechte Beispiele gibt.

Wir hören immer wieder von Belästigungen, Vergewaltigungen und anderen Verbrechen. Ich bin absolut dafür das Jemand der ein Verbrechen begeht auch sein Recht auf Unterstützung verliert.

Jemand der aus einer Not heraus delinquent wird jedoch nicht.

 

Eine Vergewaltigung entsteht nicht dadurch dass der Täter in Nöten ist. Er ist einfach nur ein schlechter Mensch.

Jemand der Einbricht und etwas klaut (ohne jemanden zu verletzen) damit er es verkaufen kann um sich essen zu kaufen (oder er klaut direkt etwas zu essen). Der ist wird aus der Not heraus delinquent.

Ausserdem jetzt mal ehrlich wie viele Flüchtlinge kennst du?

Damit meine ich KENNEN! Das heisst du weisst minimum seinen Namen, von wo er kommt und wieso er hier ist.

Wieviele davon sind anständig und wie viele sind böse Kriminelle?

 

Es ist mir durchaus bewusst, dass wir viel mehr von schlechten als von guten Beispielen hören. Wieso wohl?

Schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach besser. 

Das merke ich selbst bei meinem Blog.

Artikel welche eher negativ und kritisch sind haben viel mehr klick's als die fröhlich und positiv geschriebenen.

 

Es ist auch mir schon passiert, dass mir Flüchtlinge nachgelaufen sind als ich alleine war (während meiner Jugend gab es in der Nähe des Bahnhofs in Aarau ein Flüchtlingsheim).

Ja das war ein Scheiss Gefühl.

Aber nicht jeder der sich neben mich ins Tram setzte hatte schlechte Absichten. Auch ich gehöre zu den Menschen die erst verurteilt haben. Aber ich habe gelernt. 

Es gab eine Zeit da wohnte ich neben einem Flüchtlingsheim. So kam es, dass ich mich wieder mehr mit diesen Menschen auseinandergesetzt habe.

 

Es viel mir wieder ein, dass meine Eltern mehr als einen Flüchtling als Angestellte hatten. Ich wuchs mit ihnen auf. Seit meinem 1. Lebensjahr gehörten Menschen die von weit her kamen zu meinem Leben (damals waren es Asyl suchende aus Sri Lanka später aus Bosnien und Jugoslawien). Sie haben mich geprägt. Alle gehören zu den liebsten Menschen die ich kenne. Sie haben hier bei Null angefangen und haben sich alles, was sie jetzt haben, selbst erarbeitet. Sie sind alle bestens integriert.

 

Womit wir schon beim dritten Punkt sind.

Wer sich integrieren soll braucht Anschluss.

Die wenigsten würden offen ohne Vorurteile auf einen Migranten zugehen. Wie soll man sich denn adäquat integrieren wenn man nur wenig Chancen dazu bekommt, um zu zeigen, dass man eigentlich ein anständiger Mensch ist?

Jetzt mal im Ernst, schon nur im Ausgang beim Party machen stösst man auf Skepsis, wenn man einfach mit der Person neben einem an der Bar fröhlich anfängt zu quatschen.

 

Das Auto ist fertig beladen.

Ich finde immer noch ich hätte mehr Spielsachen kaufen sollen.

 

Habt ihr euch mal die Fluchtrouten angesehen. Stellt euch vor selbst ein Kind zu sein das diesen Weg gehen muss, weil es in seiner Heimat nicht bleiben kann.

Hätte mir das jemand deutlich gemacht als ich ein Kind war, hätte ich mich garantiert nicht mehr über meinen 3.5km langen Schulweg beschwert.

Wir können uns gar nicht vorstellen was diese Reise mit ihrer Psyche macht.

Die Bomben, die Angst, die Erlebnisse auf der Flucht und die Ablehnung welche sie erwartet wenn sie in den so oft gelobten Zielländern ankommen.

Einige von uns haben einen Knax, weil ihnen irgend etwas in der Kindheit passiert ist, was nicht vergleichsweise so schlimm ist. Und sie entschuldigen es ihr Leben lang mit diesem Ereignis. 

 

Was sollen dann diese Kinder sagen?

Bild: Magnus Wennman
Bild: Magnus Wennman
Bild: Magnus Wennman
Bild: Magnus Wennman

Ihre Vergangenheit soll in Zukunft keine Entschuldigung für Diebstähle oder gar andere Straftaten sein. Aber ohne Hilfe werden sie eine gefährdete Gruppe bleiben.

Es muss jetzt nicht jeder losrennen und spenden (aber ihr dürft! Jede Rappe Zählt 2016 sammelt dieses Jahr für Flüchtlingskinder). Doch es wäre schön, wenn ihr bei einer Begegnung einfach lächeln würdet anstatt mit skeptischen Blicken auf sie herab zu schauen. Selbst Andreas Glarner, der SVP Asyl-Hardliner, kann dies mittlerweile.

Es ist eine kleine Handlung zu der jeder fähig ist und für das Gegenüber grosses bedeutet.

 

Vielleicht braucht es ein wenig Mut es zu tun.

Denn es ist einfacher auf das zu hören was Andere erzählen, über Erfahrungen die sie selber auch nur vom hören sagen kennen, als Raus zu gehen und sich selber mit einem Thema auseinander zu setzen.

Ich hoffe unsere Gesellschaft lernt in den nächsten Jahren ein wenig dazu. Es würde uns gut tun offener und toleranter zu sein.

 

Am schönsten wäre es wenn jeder dort leben könnte wo er sich zu Hause fühlt. Doch angesichts daran, das die Hilfe vor Ort meist zu spät einsetzt oder ungenügend ist, müssen wir nun mal einfach damit rechnen, dass es immer wieder Menschen geben wird die bei uns Schutz suchen.

 

Wenn wir die negativen Entwicklungen in der Welt so beobachten, müssen wir uns fragen:

Wie werden wir uns fühlen, wenn wir einmal hilfesuchend an die Türen jener klopfen müssten denen wir einmal Hilfe verweigert haben, nur weil wir keinen Mut hatten ihnen eine Chance zu geben?

 

Ich versuche mein Bestes um jedem eine faire Chance zu geben. Mein Lohn dafür ist nicht Geld oder Anerkennung. Sondern das Lächeln meines Gegenübers und die Tatsache dass es, für mich und meine Familie, Türen gibt welche mir in der Not immer offen stünden.

 

💋In liebe Jessica

 

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