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Das kleine schwarze Einhorn Teil 4 - Der kleine schwarze Schatten

 

Seit Biancas Geburt waren schon ein paar Wochen ins Land gegangen. Sie wohnte mit ihrer Mutter immer noch in der Waldhütte. Hier fühlten sie sich geborgen und zu Hause. Twinky und Winzi sind gute Freundinnen geworden. Die kleine Waldhexe war richtig glücklich und hoffte das ihre neue Freundin noch lange nicht ans weiterziehen dachte. Regelmässig kam sie in der Waldhütte vorbei um mit ihren Zauberkünsten das Heu und Stroh auszutauschen. Damit die zwei Einhörner immer frisches Wasser haben hatte sie die Küche weggezaubert und einen sehr dekorativen Brunnen geschaffen. Die ganze Waldhütte hatte sie nach und nach den Bedürfnissen der Beiden umgestaltet. Das Bett und der Sessel waren verschwunden. Nur der Kamin ist geblieben, damit sie es im Winter kuschelig warm haben.

Das kleine schwarze Einhorn hatte auch schon einen Freund. Er hiess Paul und wohnte mit seiner Familie in einem Bau ganz nahe an der Lichtung. Fast täglich spielte Bianca mit dem kleinen Hasen. Sein Fell war mehrheitlich grau aber um das rechte Auge herum hatte er einen schwarzen Kreis, die Ohren und seine Vorderpfoten waren weiss. Er war lustig,  manchmal ein Tagträumer und ein wenig tollpatschiger als Bianca. Regelmässig stolperte er über seine Pfoten. Einmal fiel er sogar in den Fluss, der durch den Wald zieht, während sie die Bären beim Fische fangen beobachteten. Eine Bärenmutter zog ihn daraufhin aus dem Wasser und verbot ihnen wieder am Wasser zu spielen. Bianca und Paul versprachen sich daran zu halten, denn sie wollten nicht das ihre Mütter von dem Vorfall erfuhren. Das hätte sicher Stubenarrest gegeben.

Auch heute fingen und versteckten sich die beiden Schlitzohren. Während Twinky und Winzi auf der Lichtung sassen und zusammen über alles mögliche redeten was die Kleinen nicht interessierte.

Vom vielen toben war Paul und Bianca schon ganz schwindelig so dass sie sich rücklings in einen grossen, farbigen Blätterhaufen legten. Es war nicht mehr so warm wie vor ein paar Wochen, die Blätter der Bäume waren nicht mehr Grün sondern Braun,Gelb oder Rot. Eines nach dem anderen tanzte im Wind von den Bäumen. Wenn zu viele Blätter den Boden der Lichtung bedeckten schwang Winzi ihren krummen Zauberstab worauf ein kleiner Windstoss sie zu zu einem Haufen zusammentrug.

Der Blätterhaufen auf dem sie lagen war schön hoch und überhaupt nicht kalt. Die Blätter waren trocken und von der Herbstsonne aufgewärmt. Paul und Bianca genossen das Bad in dem bunten Grünzeug so sehr dass sie die Augen schlossen. 

TOCK!

„Autsch!“ Bianca öffnete erschrocken die Augen. Paul setzte sich hin sah sie erstaun an. „Was ist?“ fragte er Bianca die gerade mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck den kleinen Kopf schüttelte.

„Mir ist etwas hartes auf den Kopf gedonnert.“ antwortete sie.

Da, neben dem Blätterhaufen, lag etwas. Paul hoppelte zu dem braunen runden Ding und hob es auf. „Das hier? Es ist sehr hart. Was ist das und woher kommt es?“ In dem Moment als Paul es Bianca unter die Nüstern halten wollte flog ein schwarzer Schatten zwischen ihnen hindurch und schnappte sich das braune Ding.

„HEY!“ riefen die Beiden im Chor. Sie blickten gen Himmel, konnten aber nicht erkennen was da seine Kreise zog weil die Sonne so blendete. Da kam es wieder! Dieses runde braune Ding fiel erneut zu Boden und traf dieses mal fast Paul. Schnell setzte sich der flinke Hase darauf bevor es sich der Schatten, welcher sich in Richtung des Bodens stürzte, holen konnte. Mit dem Hasen hatte das fliegende Wesen nicht gerechnet, da es zu schnell war um noch zu bremsen wich es kurzerhand aus doch dabei war es nicht sonderlich geschickt es steuerte direkt auf den Blätterhaufen zu.

WUSCH! DONG!

Bianca und Paul hielten den Atem an und starrten auf die bunten Blätter. Nichts bewegte sich. „Krachts…“ So ein Geräusch hatten die kleinen Freunde noch nie gehört. Neugierig traten sie ein wenig näher. Mit ihren Nüstern schob Bianca langsam ein paar Blätter zur Seite. „Autsch“ Bianca schüttelte den Kopf, etwas hatte sie in die Nüstern gestochen. Doch sie war zu neugierig als dass sie hätte aufhören können. Noch einmal schob sie ein paar Blätter zur Seite,- da war es. Ein kleines Tier mit pechschwarzen Federn, schwarzen Füssen und einem schwarzen Schnabel. Langsam öffnete das Federtier seine Augen, sie waren blau wie der Himmel, erneut kam ein „Kraah“ aus ihrem Schnabel. Paul machte ein paar Schritte rückwärts und versteckte sich hinter Bianca. „Was ist?“ fragte sie ihren Freund. „Ich hab ein wenig angst, dieser Vogel sieht so ganz anders aus als die Anderen und er klingt so unheimlich.“ „Hallo du!“ Das schwarze Fohlen sah den kleinen Vogel lieb an: „Ich bin Bianca und dieser kleine Angsthase heisst Paul. Wer bist du? und wieso schmeisst du uns so braune Steine an?“

Der kleine schwarze Vogel setzte sich auf und rieb sich mit einem seiner Flügel den Kopf. „Kraah. Ich bin Melodie. Ich bin eine Krähe und das war kein Stein sondern meine Nuss. Die muss man auf den Boden fallen lassen bis sie aufgehen. Kraah.“ „Melodie?!“ Paul streckte den Kopf hinter Bianca hervor und kam sogar einen Schritt näher. „Was ist denn das für ein Name für einen Vogel der klingt als würde er aus dem letzten Loch pfeifen?“ Die kleine Krähe sprang auf und hüpfte in seine Richtung. Paul war noch ein Baby Hase, doch auch als Melodie sich gerade vor ihm aufrichtete war sie noch ein Stückchen kleiner. „Wie bitte?“ Melodie sah ihm gerade in die Augen. „Ich hab dich wohl mit meiner Nuss am Kopf getroffen! Wir Krähen sind die Elegantesten unter den Singvögeln. Unsere Stimmen sind einzigartig! Und ich heisse so weil ich die schönste Stimme von allen habe!“ Bianca steckte ihren Kopf dazwischen und versuchte die kleine Krähe zu besänftigen. „Du bist wirklich sehr hübsch. Dein Gefieder glitzert so schön und ich haben noch keinen Vogel mit so schönen blauen Augen gesehen. Lass dich nicht von Paul ärgern was dein Gesang betrifft, sein Musikgeschmack ist nicht wirklich gut.“ Paul nickte zustimmend, er wollte die kleine Krähe nicht weiter ärgern denn er wusste dass Vögel mit ihren Schnäbeln böse picken können. „Und wo ist meine Walnuss?“ fragte Melodie noch immer gerade aufgerichtet und ein wenig aufgeplustert um grösser zu wirken. Paul drehte sich um und hoppelte ein paar Sprünge bevor er die braune Nuss aufhob und in ihre Richtung streckte. „Och, die ist ja immer noch ganz! Kraah.“ Melodie flatterte wütend mit den Flügeln. „Seit Stunden schmeiss ich das Ding auf den Boden, doch es geht einfach nicht kaputt! Ich hab so grossen Hunger aber ich mag nicht mehr fliegen.“ „Wir können dir helfen.“ Paul hopste mit der Nuss zu einem grossen flachen Stein. „Kommt!“ Melodie setzte sich auf Biancas Rücken die sogleich zu Paul trabte. „Dein Problem ist dass der Waldboden so weich ist.“ erklärte Paul. „Komm Bianca ich brauche dein Huf. Ich leg die Nuss hier hin und du drückst mit deinem Huf drauf. Aber nur langsam, nicht das du meine Pfote zerquetscht.“ Bianca hob den linken Huf an und setzte ihn sanft auf die Nuss. „Ok, jetzt drück langsam nach unten.“ wies Paul sie an. Bianca gehorchte und erhöhte langsam den Druck bis sie ein Knacken hörte. Melodie schwebte von ihrem Rücken auf den Stein. Das Fohlen nahm sein Huf von der Nuss worauf sie in 2 Hälften auseinander brach. Die kleine Krähe hüpfte vor Freude und schnappte sich gierig den Inhalt. „Danke euch vielmals! Würdet ihr das nochmals tun wenn ich noch eine finde? Mein Bauch knurrt immer noch.“ „Natürlich helfen wir dir, warte kurz ich frage Elif ob sie vielleicht ein paar von ihren Nüssen entbehren kann.“ Bianca streckte den Kopf in die Luft und rief laut: „Elif!“ „Jaaaaa!“ Ein rotes Eichhörnchen sprang von dem Ast einer alten Tanne auf den kleinen Pferdekopf. „Hallo Elif. Schön dich zu sehen. Hättest du vielleicht ein paar Nüsse übrig für unsere Freundin Melodie? Sie ist unheimlich erschöpft und braucht eine kleine Stärkung. Wir helfen dir dafür auch gerne dabei neue zu finden“ Das flauschige rote Nagetier lächelte die kleine Krähe an. „Ich gebe dir gerne ein paar meiner Nüsse. Deine Flugschau während deinen Bemühungen die Nuss zu öffnen war spektakulär und hat mich prima unterhalten. Es hat mich verwundert dass du so lange durchgehalten hast.“ Elif sprang auf einen nahen Baumstamm und kletterte hoch hinauf. Auf einmal war sie weg. 

„Achtung da unten!“ rief Elif und schon flog die erste Walnuss in ihre Richtung. Die Zweite, Dritte und noch viele mehr, ein kleiner Walnussregen prasselte auf den Waldboden. Paul, Bianca und Melodie jagten den Nüssen hinterher um sie einzusammeln und mussten dabei darauf achten nicht von einer getroffen zu werden. Elif reckte den Kopf aus der Baumkrone: „Na, wie siehts aus? Reicht das für den kleinen Krähenmagen?“ Melodie schwang sich in die Luft und flog zu Elif auf den Ast. „Danke das ist sehr lieb von dir.“ Sie gab dem Eichhörnchen einen Kuss auf die Wange. „Ich komme Morgen mit meinen Brüdern und helfe dir den Vorrat wieder aufzufüllen“ „Nein, schon in Ordnung.“ antwortete Elif „Ich mag Walnüsse nicht besonders. Haselnüsse mag ich.“ „Dann bringen wir dir auf jeden Fall alle Haselnüsse die wir finden.“ Melodie und Elif sahen nach unten und beobachteten Bianca und Paul dabei wie sie die ersten Nüsse knackten. „Nochmals vielen Dank, ich gehe lieber mal nach unten. Ich traue Paul noch nicht ganz über den Weg, nicht dass er mir die Nüsse weg isst.“ Elegant segelte die kleine schwarze Krähe mit den wunderschönen blauen Augen zum flachen Stein. Bianca und Paul hatten bereits ganze Arbeit geleistet. Da lag ein Häufchen mit Nüssen und eines mit den leeren Schalen. Melodie sang vor Freude ihr schönstes Krähenlied. „Kraaah, Kraäh Krachts, Krah Krachts….“ Paul hielt sich die Ohren zu und Bianca tanzte mit Melodie zu ihrem Krähenlied.

Den Rest des Tages verbrachten sie zu Dritt. Sie spielten fangen, versteckten sich und wenn sie eine Pause brauchten legten sie sich in den Blätterhaufen und teilten ein paar von Elif’s Walnüssen. Als es langsam begann dunkel zu werden verabschiedete sich Melodie von ihren neuen Freunden mit dem Versprechen am nächsten Tag wieder zu kommen. Paul hoppelte nach Hause und auch Bianca trabte zurück zur Waldhütte wo ihre Mutter bereits auf sie wartete. Nachdem Bianca ihre Milch getrunken hatte legten sie sich zusammen ins Stroh und sie erzählte ihrer Mutter was sie heute alles erlebt hatte. Noch bevor das kleine schwarze Fohlen alles erzählt hatte vielen ihr die Augen zu, so schlief sie eingekuschelt in die farbige Mähne ihrer Mutter ein.

 

Autorin:

Jessica da Silva Estrela - Gerritsen

Das kleine schwarze Einhorn Teil 1 - 3 findest du -> hier <-

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